Diese 100-Jährige hat sich wahrlich gut gehalten und ist immer noch topmodern. Wer durch die Straßen der Magdeburger Hermann-Beims-Siedlung (benannt nach dem von 1919 bis 1931 amtierenden Oberbürgermeister) schlendert, spürt sofort den Geist einer Epoche, die Architektur neu dachte und das Wohnen revolutionierte.
Es ist eine Reise in eine Zeit des Aufbruchs, des Aufbruchs in die Moderne. Ein Abstecher in die Epoche des sogenannten Neuen Bauens der 1920er Jahre, wie es etwa an der weltberühmten Bauhaus-Schule für Architektur und Design gelehrt und gelebt wurde. Ins Auge fallen sofort: klare Linien, geometrische Strukturen, funktionales Design und – eine besondere Ausprägung der Magdeburger Moderne – farbige Fassaden, Fenster und Türen.
1925 begann der Bau der Beimssiedlung. 100 Jahre später feiert Magdeburg den runden Geburtstag. Mehrere Veranstaltungen sind über das Jahr verteilt geplant. Höhepunkt wird am 10. Mai die Festveranstaltung der WOBAU Magdeburg (städtische Wohnungsbaugesellschaft) mit vielen Partnern sein.
Architekturführungen, Live-Musik und eine lange Nachbarschaftstafel stehen u.a. auf dem Programm von 10 bis 18 Uhr. In der original eingerichteten historischen Musterwohnung am Beims-platz können die Gäste hautnah erleben, wie die Menschen vor 100 Jahren in der Siedlung lebten.
Wie war es damals? Die Stadt wuchs, Wohnraum war knapp, und die Lebensverhältnisse der Menschen in der dicht bebauten Innenstadt waren oft prekär. In dieser Phase trat der damalige Bürgermeister Hermann Beims mit einer visionären Idee an: gesunder und erschwinglicher Wohnraum für die arbeitende Bevölkerung, jenseits der engen und dunklen Hinterhöfe. Die Lösung fand er im Konzept des Neuen Bauens, das in Magdeburg vom damaligen Stararchitekten und Stadtbaurat Bruno Taut vorangetrieben wurde.
Ziel war es, Licht, Luft und Grünflächen in den urbanen Raum zu integrieren. Die großzügigen Innenhöfe und Vorgärten trugen dazu bei, eine hohe Lebensqualität zu schaffen – ein Konzept, das auch heute noch fasziniert.
Die allermeisten der rund 2.000 Wohnungen gehören heute der WOBAU. Seit Jahren investiert sie Million um Million, um die denkmalgeschützte Bausubstanz nicht nur zu erhalten, sondern durch behutsame Eingriffe fit für die Zukunft des Wohnens zu machen. Mit Erfolg: Die Wohnungen sind gefragter denn je.
Die Magdeburger Moderne, sie lebt – und wird in diesem Jahr einmal mehr gefeiert.
Baustart vor 100 JahrenDie Beimssiedlung entstand in den Jahren 1925 bis 1932 im Auftrag des Vereins für Kleinwohnungswesen und der Magdeburger Gemeinnützigen Heimstätten A. G. Ziel war sozialer Wohnungsbau, der größeren Teilen der Bevölkerung gesunde Wohnungen zu günstigen Preisen zur Verfügung stellen sollte.
Ein Muss für ArchitekturbegeisterteDie Beimssiedlung ist ein Paradebeispiel für das Neue Bauen und ein lohnendes Ziel für alle, die sich für Architektur und Stadtplanung interessieren. Sie zeigt eindrucksvoll, wie Bauhaus-Ideen in die Praxis umgesetzt wurden.