Hafen, Technik, Forschung
Der Alte Handelshafen war einmal einer der modernsten Binnenhäfen Deutschlands. Heute arbeiten hier Fraunhofer, Max-Planck und ein Forschungscampus für Medizintechnik – zwischen genieteten Schiffsrümpfen, einer Hubbrücke von 1894 und einem Floß aus böhmischem Holz.
Diese Seite führt durch beides: die Hafengeschichte und das Quartier, das daraus geworden ist.
- Handelshafen eröffnet
- 1893
- Umschlag in der Blütezeit
- 1,4 Mio. Tonnen
- Älteste Eisenbahnhubbrücke
- 1894
- Länge der Gustav Zeuner
- 55 Meter
- Kettenstrecke in der Elbe
- 843 Kilometer
- Exponate frei am Kai
- 5
Stand: August 2026
Vom Hafen zum Denkmal
Bis zu 1,4 Millionen Tonnen Zucker, Getreide und Kali wurden hier im Jahr umgeschlagen. Die Reichseinheitsspeicher, der Getreidespeicher GHI und die Eisenbahnhubbrücke von 1894 stammen aus dieser Zeit.
Ende des 19. Jahrhunderts als einer der modernsten Binnenhäfen Deutschlands gebaut, erlebte der Magdeburger Handelshafen in den 1920er und 30er Jahren seine Hochphase. 1945 wurde er im Bombenhagel fast vollständig zerstört.
Nach dem Krieg diente der Hafen als Umschlagplatz für den Wiederaufbau der Stadt, verlor in der DDR-Zeit an Bedeutung und wurde stillgelegt. Geblieben sind Speicher, Krananlagen und Gleise – und seit einigen Jahren eine zweite Nutzung, die mit Schifffahrt nichts mehr zu tun hat: Forschung, Lehre und junge Unternehmen.
Der einzige seiner Art in Deutschland
Die Gustav Zeuner ist der einzige originalgetreu restaurierte Kettenschleppdampfer Deutschlands. Sie liegt am Kai des Wissenschaftshafens.
1894 in Dresden-Übigau gebaut, zog sich das Schiff ab 1895 an einer schweren Kette die Elbe entlang und schleppte Lasten, für die kein Antrieb der Zeit stark genug war. 1931 endete der Einsatz. Danach diente der Rumpf noch Jahrzehnte als Umkleidekabine, Bootsschuppen und Restaurant am Fermersleber Hafen, bevor er verfiel.
2006 begann die Restaurierung, fünf Jahre später war das Schiff wieder komplett: originale Dampfmaschinen, Greifrad und die typischen Wasserstrahl-Turbinen. 55 Meter lang, genietet, heute technisches Denkmal.
Drei weitere Zeugen der Elbschifffahrt
Alle drei stehen im Freien, ohne Eintritt und ohne Öffnungszeiten.
Jens Klein Taucherschacht II und der „Otter“
1898 auf einer Berliner Werft gebaut, ohne eigenen Antrieb: 31,67 Meter lang, schwimmende Basis für Caissontaucher, mit einer sechs Meter hohen Taucherglocke an Backbord. Daneben liegt der Eimerkettenbagger „Otter“ von 1899, dessen Kette mit 32 Eimern Kies und Sand aus vier Metern Tiefe holte.
Jens Klein Eisenbahnhubbrücke
1894 als genietete Stahlbogenbrücke über den Einfahrtskanal errichtet, eine der ältesten Eisenbahnbrücken Deutschlands. 26 Meter lichte Weite, bis 4,65 Meter anhebbar. 1980 stillgelegt, nach der Sanierung wieder offen für Fußgänger und Radfahrer.
Jens Klein Elbefloß
Bis zu 130 Meter lang, aus fünf Tafeln („Klifte“) gebunden: So kam Holz aus den böhmischen Wäldern die Elbe hinunter. Fünf Männer lebten tagelang darauf, gesteuert wurde mit „Pätschen“, gebremst mit zugespitzten Balken. Die Flößerei ist heute UNESCO-Kulturerbe.
Aus Speichern wurden Labore
Auf demselben Gelände arbeiten heute Institute, junge Unternehmen und ein Simulationszentrum.
Das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung sitzt in der „Elbfabrik“, dazu kommen das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme, das ifak in seinem gläsernen Rundbau und der Forschungscampus STIMULATE für Medizintechnik.
Die Denkfabrik im gelben Speicherbau ist Innovations- und Gründerzentrum, der Elbedome ein virtuelles Trainingszentrum, in dem Produktions- und Logistikprozesse simuliert werden. Dazwischen: Hafenpromenade, Blick auf die Elbe und das Café Treibgut.
Bevor Sie hinfahren
Anreise
Die Buslinie 73 endet im Wissenschaftshafen und verbindet ihn mit dem Stadtzentrum. In fußläufiger Nähe hält am Askanischen Platz zusätzlich die Straßenbahn.
Mit dem Rad
Das Areal hängt am Radwegenetz der Stadt und am Elberadweg. Über die sanierte Eisenbahnhubbrücke geht es zu Fuß und mit dem Rad auf die andere Seite des Einfahrtskanals.
Vor Ort
Die Exponate stehen frei zugänglich am Kai, ohne Eintritt und ohne Öffnungszeiten. Zum Einkehren gibt es das Café Treibgut an der Promenade.
Adresse
Werner-Heisenberg-Straße 1, Stadtteil Alte Neustadt, direkt an der Elbe. Parkplätze an der Denkfabrik, das Gelände ist über eine geregelte Ampelkreuzung angebunden.